Reiseführer


Transport und Verkehr

Fliegen

Es gibt Flüge innerhalb Guadeloupes, das heißt zwischen den kleineren Inseln und der "Mutterinsel". Sie sind relativ teuer, aber wer das Ganze gerne mal von oben sehen mag: toll, toll, toll! Siehe Guadeloupe.

Taxi

Taxi- und Busfahrer scheinen auf der ganzen Welt recht ähnlich zu sein. Deshalb gilt: Vorher fragen. Nicht nur den Taxifahrer, sondern auch unbeteiligte Menschen. Was darf die Fahrt höchstens kosten? Gibt es Zuschläge für Gepäck oder Nacht? usw. Wer den Weg kennt, bekommt keine Sightseeing-Tour.

Wenn man die Sprache des Fahrers spricht, kann eine Taxifahrt auch viel Interessantes bringen.

Auto

Zwingend. Ohne ist man praktisch tot. Wer länger als drei Tage bleibt und keine Freunde hat, ist völlig aufgeschmissen ohne Auto.

Auf den französischen Antillen gilt das französische System: Die Autos haben keine Vignetten für die Zulassung. D.h., man sieht einem Auto von außen nicht an, ob es zugelassen ist. Daher zählt jedes Auto, das länger als zwei Wochen am selben Platz steht, im Prinzip als Müll. Will man länger weg, sollte man es bei jemanden abstellen, der von Polizisten gefragt werden kann, und einen Zettel im Auto befestigen. Das ist auch insoweit sinnvoll, als man damit das Risiko vermindert, daß das Auto als Ersatzteillager mißbraucht wird. (Sehr häufig! Je stiller der Abstellplatz, desto weniger Reifen, je belebter, desto mehr Strafzettel.)

Nötige Papiere, die man immer dabei haben sollte, sind:

Carte Grise (Fahrzeugschein und -Brief in einem oder Kopie davon mit Mietbestätigung)

Versicherungsvignette im Fenster und Versicherungsschein (den wollen sie immer sehen)

Steuervignette für das aktuelle Jahr (mit Doppel, das Plastikteil, worauf die Vignette vorher klebte)

Bei älteren Autos Contrôle Technique (Vignette und Prüfbericht)

natürlich Führerschein. Der neue nationale EU-Schein reicht aus, obwohl er nur auf dem Deckblatt übersetzt ist. Der völlig unübersichtliche "internationale" Führerschein beschäftigt den armen Beamten so lange, daß er vergessen hat, was er eigentlich nachsehen wollte. - Je mehr Papier, desto besser; u.U. vergißt er sogar einen Strafzettel auszustellen.

Mietwagen

So klein die Inseln aussehen, zu Fuß ist man eine ganze Weile unterwegs. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind oft mit ziemlicher Sucherei und Warterei verbunden. Wer dann noch Probleme mit der Sprache hat... Mietautos gibt's fast überall.

Meist sind die Verleiher seriöser als sie aussehen. Trotzdem gilt: Auto ansehen, Schäden im Vertrag festhalten, egal, was der Verleiher beteuert. Kilometerstand selber ablesen und mit dem im Vertrag vergleichen. Auto vollgetankt zurückbringen. (Ist wesentlich billiger, als wenn die Firma das Auto volltankt.) Gibt es keinen Vertrag, sehr gut. (Weil im Kleingedruckten des Vertrags nur steht, was man alles zusätzlich bezahlen muß. Hat man keinen, zahlt man nur die Miete, sonst nix.)

Kaution: Mit Kreditkarten ist das ganz einfach. Karte durch den Ritsch-Ratsch, Beleg unterschreiben, wegfahren. Es ist aber nicht ganz unproblematisch: Kreditkartenfirmen haben relativ geringe Margen, sie streiten nur, wenn sie etwas dabei verdienen können. Man muß also hoffen, daß der Verleiher den "Blanko-Scheck" nicht ausnutzt, denn die Chance ist ziemlich hoch, daß er den Betrag, den er einträgt, auch von der Kartenfirma bekommt. Dagegen ist das Hinterlegen einer Barkaution auch nicht ungefährlich, und die Verleiher mögen es viel weniger als die Karte. Obwohl das Ganze einen mißtrauisch stimmen kann, habe ich bisher selbst keine schlechten Erfahrungen mit der Karte gemacht und auch nichts Negatives von anderen gehört.

Manche, vor allem teurere Verleiher, haben Sonderservice Leistungen, wie etwa Landkarten und Prospekte mit bunten Bildchen. Fragen. Nett, aber ein Indiz für einen teuren Verleiher ist der Flughafen-Abholservice.

Reifen sind ein Problem, denn die Straßen zu manchen touristischen Zielen sind nicht so toll. Es wollen halt wirklich nur Touristen da hin. Meist sind Schäden an Reifen extra zu bezahlen. Ob sich die verschiedentlich angebotene Reifenversicherung lohnt, kann ich nicht beurteilen.

Obacht: Wer mit dem geliehenen Auto auf andere Inseln übersetzen will, braucht - neben allen Papieren (siehe oben) - die schriftliche Erlaubnis des Vermieters. Es ist ausgesprochen sinnvoll, sie vor Bezahlung der Miete zu besorgen.

Öh: Kucken, ob sich die Motorhaube öffnen läßt und das Werkzeug zum Rad wechseln da ist und auch paßt. (Das Rad auch und mit Luft.) Die Autos sind generell sehr neu und in ausgezeichnetem Zustand, aber nicht alle Straßen; und es saßen schon Leute lange am Straßenrand, weil ihr Mietwagen keinen Wagenheber hatte, oder der vorhandene nicht zum Auto paßte.

Fahrtechnik

Laaangsam. Irgendwo ist immer ein Schlagloch, eine Geschwindigkeitsschwelle, Leute, ein anderes Auto oder ein Teil der Ladung eines überladenen LKW auf der Straße. Oft hilft hupen, leider nicht immer.

Auf beiden Inseln kann man zur Rush-hour um die Hauptstädte mit den selben Verkehrsproblemen wie zu Hause rechnen, beim Parken auch; rund um die Uhr!

Oft wird statt des bekannten Schildes - Parken verboten - am Gehwegrand eine gelbe Markierung angebracht. Ansonsten gelten die französischen Verkehrsregeln. Die berüchtigten Wegfahrverhinderungs-Krallen habe ich nicht gesehen - ich glaube auch nicht, daß sie durchsetzbar sind. Bolzenschneider, hydraulische Wagenheber und anderes schweres Werkzeug sind einfach zu billig.

Die Polizei geht davon aus, daß die Leute wissen, daß in den beiden Inselhauptstädten parken teuer und oft - eigentlich immer - verboten ist. Daher sind selten Schilder aufgestellt. Die Parkwachteln scheinen richtig korrupt zu sein. Und offenbar billiger als das Jahres-Park-Abonnement der Stadt.

Ein Knöllchen der billigsten Sorte kostet 75 F (Stehen im Halteverbot ohne Behinderung). Wer nicht innerhalb von 4 Wochen zahlt, zahlt danach 250 F. Mir ist keiner meiner Parkzettel nach Hause geschickt worden. Vor Wahlen gibt es regelmäßig Amnestien für Parksünder. (Darüber könnte man Romane schreiben; nur ein Satz: Alle sieben Jahre, jeweils vor den Präsidentschaftswahlen, herrscht Anarchie und zwar total!)

Überall auf den Inseln sind tiefe Gräben am Straßenrand ob der flutartigen Regenfälle. Sie sind natürlich beim Einparken nicht zu übersehen, werden aber beim Ausparken gerne vergessen... Dabei ist nicht das Problem, das Auto aus dem Graben zu bekommen. Wer flickt das verbogene und gebrochene Teil?

Bei den Geschwindigkeitsschwellen kann man den Eindruck kriegen, daß die Stoßdämpferindustrie hier eine mächtige Lobby hat. Tatsächlich sind meist Schulen in der Nähe. Stoßdämpfer sind teuer und manche Autos arg zusammengeflickt. So entsteht der Eindruck, daß die Leute ihr Auto am liebsten über die Schwelle tragen würden. Manches Auto würde den Schlag beim schnellen Drüberbrettern wirklich nicht mehr verkraften. Sehr zum Leidwesen vieler Männer verhindern diese Teile auch zuverlässig das Tieferlegen von Autos. Ein Seitenschurz hat eine Halbwertszeit von wenigen Stunden. Nachts können diese Schwellen die Straße in einen Erlebnispark verwandeln, denn oft ist eine Markierung da, aber keine Schwelle, oder - schlimmer - eine Schwelle, aber keine Markierung.

Handzeichen sind häufig und stark kontextabhängig. Das hat schon so manchen Cartoon provoziert. Wenn einem das Überholen angeboten wird, heißt das nur, daß man den Fahrer nervt, nicht, daß die Straße frei ist. Blinker werden ständig vergessen, blinken also auch, wenn kein Anlaß ist.

Nachts zu fahren ist anstrengend, geht aber in der Regel ohne übermäßige Gefahr. Das Problem sind die schlecht eingestellten Scheinwerfer und - auf kleinen Straßen - große Löcher.

Nettes Detail: Alle paar Jahre ist jemand über die Anzahl der Verletzten und Toten entsetzt und will eine Wahl gewinnen. Dann ist drei Wochen lang alles anders, sogar für unsaubere Nummernschilder wird man belangt. Viele Leute lassen in dieser Zeit - die medienmächtig eingeläutet wird - das Auto stehen. Besser so.

Im Kreisverkehr muß man den anderen, die schon kreiseln, Vorfahrt lassen ("Vous n'avez pas la priorité")

Das Schild Gué unter einem Warnschild, bedeutet, daß eine Furt kommt. Man kann leicht überraschend tief im Wasser stehen. Vorher gucken.

Trampen

Da die öffentlichen Verkehrsmittel nicht völlig klaglos funktionieren und Taxis teuer sind, trampen auch viele "normale" Leute. Es geht gut. Sonntags geht es immer. Hinweise bei den Inseln. Ich habe einige Frauen getroffen, die sich mitten in der Nacht in der völligen Pampa gut aufgehoben fühlten. Das Klima unter den Reisewilligen ist sehr gut, alle achten brav und dezent auf die Einhaltung der richtigen Reihenfolge und geben bereitwillig Tips wohin? wie? was ansehen? etc.

Autokauf

Wenn man etwas länger auf der Insel bleibt, braucht man auf jeden Fall einen fahrbaren Untersatz. Ohne ist man wie ein Käfer auf dem Rücken. Das gilt für Martinique stärker als für Guadeloupe. Auf Guadeloupe funktioniert das Bussystem bis 18.30 h relativ gut. Doch egal wo man ist, Busfahren ist eine eher meditative Sache. Man kann ein Auto oder Motorad kaufen. Das ist ab etwa drei bis fünf Monaten Aufenthalt sinnvoll. Es ist aber stressig, nervig und teuer. Wegen der Nerverei, des technischen Risikos und der hohen Kosten von Zulassung und Versicherung kann eine Langzeitmiete besser sein. Autokauf ist eine prima Methode, sich den Urlaub zu versauen.

Man bekommt Gebrauchtwagen ab 3000 F, aber besser mit 5000 F oder mehr rechnen. Sie stehen bei Gebrauchtwagenhändlern außerhalb von Fort-de-France oder im Kleinanzeigenmagazin 97.2 (siehe unten Information). Motorräder gibt's auch, aber seltener, und sie sind teuer. Wer sich auskennt, kann einen guten Schnitt machen, indem er ein teures und tolles Auto kauft.

Beim Zustand des Autos sehr sorgfältig nachsehen. Ggf. jemanden mitnehmen, der sich auskennt! Auch wenn man dafür bezahlt. Die Reperaturmethoden unterscheiden sich ganz erheblich von den bei uns geläufigen. Was bei uns als Pfusch und Betrug gelten würde, ist hier Standard für alte Autos! Die Methoden sind skurril, aber das Auto fährt, und das soll es ja. Man sollte nur die Lebensdauer nicht mit europäischen Maßstäben messen. Es gibt zum Beispiel einen berüchtigten Kleber -.Zwei-Komponentenkunstharz - der unter dem Namen "J.B. weld" für etwa 135 F verkauft wird, und damit werden tatsächlich Karosserien zusammengepappt! (Es pappt ziemlich gut, zur Not kann man damit wirklich einiges hinkleistern.) Teile, die bei uns als Schrott gelten würden, werden immer noch als pièces detachées (gebrauchte Ersatzteile) verkauft. Daß ein Zylinderkopf dreimal abgezogen und wiederverwendet wird, ist nicht ungewöhnlich. Das rechte vordere Radlager hat fast immer einen Schlag, die Stoßdämpfer und das ganze Fahrwerk wegen der Schlaglöcher auch. Arbeitszeit ist nicht allzuviel wert, also basteln die Leute lieber mit miesen Teilen tagelang am Auto rum - nur um in drei Monaten dasselbe wieder zu tun, bevor sie mal ein Neuteil einbauen. Ist es ganz schlimm, verkaufen sie das Auto halt.

Beim Kauf darauf achten, daß bei älteren Autos (älter als 4 Jahre) die Vignette für die controle technique, eine Art TÜV, (blau, "CT") rechts an der Windschutzscheibe klebt, die Bestätigung des Prüfers (blau/weiß DIN A 4) da ist und ein Eintrag mit dem nächsten Prüftermin in der unteren Hälfte der carte grise ist. Sie ist nicht mehr wert als der TÜV. Eigentlich besagt sie nur, daß das Auto an diesem Tag gebremst und allseits geleuchtet hat oder der Prüfer sonst einen Grund fand, die Plakette zu geben. Die carte grise ist der Fahrzeugschein und -Brief. Der muß vom Verkäufer durchgestrichen und mit dem Vermerk "vendu le (Datum)" versehen sein. Dann darf man höchstens noch 15 Tage damit fahren, ist aber nicht versichert. Der Verkäufer muß zwei weiße Zettel von der Präfektur, die man auch dort abholen kann, ausfüllen und unterschreiben. Auf der Windschutzscheibe muß eine Steuerplakette mit dem laufenden Jahr kleben, das Doppel dazu muß der Verkäufer rausrücken. Alle Nummern von Vignetten, Auto und dazugehörigen Papieren checken. Das tut die Polizei äußerst selten, daher kann man auch ein Auto mit unterschiedlichen Nummern kaufen, nur - es ist höchstens die Hälfte wert, weil geklaut. Die Steuervignette mit dem aktuellen Jahr muß an der Windschutzscheibe kleben, das Doppel muß da sein. (Checkliste mit nötigen Papieren beim Autofahren.)

Um das Auto zuzulassen, muß man als Ausländer eine carte de séjour haben. Bei Kurzaufenthalten unter drei Monaten gibt's die nur ausnahmsweise (siehe unten). Als Alternative, die aber nicht ungefährlich ist, kann man das Auto auf einen einheimischen Freund oder Inhaber einer carte de séjour schreiben. Die carte grise (Fahrzeugschein) kostet satt Steuern. 200 F pro puissance, bei Autos älter als zehn Jahre die Hälfte. Und was es kostet steht auf der alten carte grise. Das sind 600 F bei einem sehr alten R5!

Die Versicherung ist auch sehr teuer. Etwas billiger und einfacher wird's, wenn man eine Bestätigung der eigenen Versicherung über den Schadensfreiheitsrabatt bringt (Bonus). Mit 2000 F pro Vierteljahr rechnen. (Übersetzung in französisch nötig. Die deutsche Versicherung versteht überhaupt nichts. Normalerweise kündigt einem die deutsche Versicherung den Vertrag, wenn man die Bestätigung haben will, weil sie meinen, daß sie so einen Zettel nur bei Kündigung rausgeben dürfen. Sie senden die Bestätigung zwar zuverlässig ab, aber ob sie ankommt, ist auf den Antillen ungewiß.) Die französischen Versicherer schließen nicht gerne Kurzzeitverträge ab. U.U. gleich für ein halbes Jahr abschließen und zahlen, der Rest wird dann zurückerstattet. Die Polizei ist zwar recht fleißig, und bei einer Verkehrskontrolle schauen sie auch immer die Vignette für die Versicherung an - man sollte sogar die Unterlagen dabei haben. Aber auf Fahren ohne Versicherung reagieren sie meist erheblich gelassener als bei uns. Sie lassen einen manchmal weiterfahren oder drücken einem 150 F Strafe rein. Natürlich hat man nix gewußt, ist zerknirscht und wird morgen alles Nötige tun. Pappt im Auto noch eine gültige Vignette, oder ist sie wegen der Sonne unleserlich geworden, sind die Chancen sehr groß, daß man mit einer echt klingenden Geschichte durchkommt. Hier gilt ganz besonders: Die eigene Situation klar machen, gelassen bleiben, eher hilflos als kopflos und nie (sichtbar) sauer werden. Wenn die Geschichte schlüssig ist und der allgemeine Eindruck stimmt, den der Polizist von einem hat, gibt's auch in recht evidenten Fällen keinen Ärger. Nachprüfen tun sie selten irgendwas, was nicht aktuell, anhand der vorliegenden Papiere geht. Sogar telefonieren tun sie selten. Auch der Blick in die Papiere ist nicht so intelligent, wie man es von einem Polizisten erwarten möchte. Das liegt nicht daran, daß sie dumm wären. Im Gegenteil. Wenn das "Opfer" den Eindruck eines halbwegs ordentlichen Bürgers macht, läßt die Polizei ihn in Ruhe seiner Wege gehen. Das spart auch dem Polizeimenschen Ärger und Arbeit. Erst wenn sie das Gefühl haben, da ist was im Busch (Drogen!!!), werden sie mit einem Schlag richtig fix im Kopf.

Bleibt beim Fahren ohne Versicherung das erhebliche Risiko eines Unfalls. Und Urteile französischer Gerichte können ohne große Probleme in Deutschland vollstreckt werden...

Der Verkauf eines Autos kann sich zum wochenfüllenden Drama entwickeln. Die Leute rufen auf Anzeigen in Horden an, kauen einem das Ohr ab und machen Termine, zu denen nie jemand kommt. Es geht nur über direkten und persönlichen Kontakt, und auch da nur schlecht.

Vernünftige Lösungen lassen sich mit Menschen finden, die das gleiche Problem haben. Sie sind z.B. in den Touristenhäfen - Kneipen - zu finden.

 


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Stand: 12.10.01. Mail: Peter Zimmermann - Impressum - 1997-2005 http://www.PeterZimmermann.net